Bilder von Gerrit Soltau im Rathaus Karben
Karben: Der geborene Kasselaner Gerrit Soltau gehört seit Jahren der Aschaffenburger Kunstszene an. Er ist Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler. Er zeigte seine Bilder über die Grenzen seines jetzigen Wohnorts hinaus in Einzel- und Gruppenausstellungen.
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Zuletzt hatte er 2004 in Hessen anlässlich der 750 Jahr-Feier des Ortes Herzhausen am Edersee, wo er seine Jugend verbrachte, eine unter Denkmalschutz stehende alte Scheune mit in Öl gemalten örtlichen Motiven vorübergehend in eine Galerie verwandelt.
Farben sind der Treibstoff unserer Seele. Sie sind Leben, sind Ausdruck der Gefühle und lösen Emotionen aus, so Soltaus Philosophie.
Der Kunsthistoriker Werner Emmerich aus Lahnau-Wetzlar:
„In allen Gemälden zeigt sich Leidenschaft und Spontaneität, mit der Soltau Farben, Linien und Empfindungen vermischt.
Er probiert Neues aus; auch auf Papier und findet dabei eine eigene Technik, die er Tereopingie nennt. So etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen. Ein Leuchten geht von diesen Bildern aus, metallisch hartblauer Glanz von Strahlen zerfurcht oder Brombeer-Marmelade tief gefroren auf weißer Tischdecke. Seine herrlichen Gelb-grün-Verbindungen tauchen auch hier wieder auf mit wunderbar feinen Innen-strukturen, wie vom Wind gekräuseltes Wasser. Es entstehen immer neue Gedankenfelder, z. B. von orientalischen Seidenstoffen. Man möchte diese Stofflich-keit spüren, die Flächen mit den Fingern berühren, die ja auch mit den Fingern gearbeitet sind. Die Leuchtwirkung dieser kleineren Formate ist noch kräftiger, die Verlockungen der Seele in ungeahnte Abgründe der Gedanken sind noch intensiver als die der Ölbilder.
Großformatige Farbenspiele in wunderschön geschwungenen Linien gefasst. Von weitem betrachtet scheinen diese Ölbilder vielleicht etwas plakativ, geht man aber näher heran, tauchen plötzlich feine Farbabstufungen und Brechungen auf, deren Schwingungen wiederum eine besondere Lichtwirkung erzeugen.
Der Mensch tritt in seinem Werk nur beiläufig auf. Dennoch klagt der Maler in einigen seiner Arbeiten den Umgang unserer immer brutaler werdenden Gesellschaft mit der Natur an. Man muss es in der Abstraktion suchen. Ein Gemälde heißt z. B.„Help".
Der Körper eines kleinen Mädchens in Farbflächen aufgelöst. Assoziation zu Afrika, Kinder in Not. Da gibt es ein Bild eines gelbgrauen leeren Raumes mit einer großen Schleife, die in Resten eines menschlichen Körpers endet. Erinnerungen an Dalis groteske Bilder entstehen. Andere Betrachter sehen darin vielleicht nur eine dekorative Schleife. Ein weiteres Bild in rot und grau deutet Ruinen an. Es erinnert spontan an eine Szene der Verfilmung der Blechtrommel. Ein Aal windet sich durch den kahlen Schädel eines Pferdes.
Und dann in einem Bild diese Anklage: Kaum schwindet das Eis aufgrund der Klimaveränderung in der Arktis, stecken Nationen bereits ihre besitzergreifenden Claims ab. Bedrohlich die signalroten Abgrenzungspflöcke.
Das wirkungsstärkste Bild ist für mich das Blaudunkle. Beim Betrachten fiel mir sofort eine Geschichte von Platon ein „Das Höhlengleichnis" - Menschen, die sich aus dem Dunkel der Unwissenheit nach dem Licht der Erkenntnis drängen. Die Strukturen, die aus dem Blaugrün hervor schimmern, können Menschen, Gerippe andeuten oder sind es nur verschiedene Blattrippen eines Philodendronbaumes. Und hier ist es besonders der Übergang der verschiedenen Grüntöne in das herrlich leuchtende Blau. Hat hier Ives Klein, der französische Maler mit seinem bestechenden Leuchtblau Regie geführt? Es ist eben der Reiz von Soltaus Bildern, dass sich viele Sehmöglichkeiten ergeben. Für den einen Betrachter sind es nur kontrastreiche, dekorative Farbflächen, der andere geht in diesen magischen Räumen spazieren auf der Suche nach sich selbst, entdeckt eigene Erfahrungen wieder neu."
Die Ausstellung im Rathaus Karben geht von 30.8. bis 30.9.2010.
Offen zu den üblichen Rathauszeiten.
| Link |
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| Stadt Karben |
30.08.2010
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