Idstein: Wenn Madonna jodeln lernt! Die weitgereisten Österreicher GLOBAL KRYNER überwältigen mit einer überschäumenden Melange aus oberkrainer Volksmusik, Latin, Jazz, und bissig verfremdeten Pophits. Am Eröffnungsabend des Idstein JazzFestivals 2011 heißt es: Jo-ho-la-di-hü, Amigos de Idstein.
Er wollte das alles nicht länger einsehen. Christof Spörk, ein streitbarer und etwas zappeliger Österreicher, Doktor der Philosophie, ehemaliger Politikjournalist, gelernter Klarinettist und talentierter Kabarettist, dieser Mann also konnte nicht begreifen, warum Volksmusik im Schunkel-Ghetto der Generation 50+ eingesperrt sein soll. Warum Radiohits bei Schöngeistern verpönt sein müssen. Warum Groove und Folklore so selten zusammen gehen.
Spörk machte das für ihn naheliegende. Er heiratete eine Kubanerin fürs private Glück, und er sammelte exzellente Musiker um sich, die seine Klang-Vision verstanden. Mit ihnen zusammen kreierte er eine neue Art Volksmusik, mitreißend und beschwingt, gleichzeitig verrückt und bodenständig, die imstande ist, sämtliche Barrieren zwischen alt und jung, ernst und populär, im Nu einzureißen. Und dabei so originell und zugleich vertraut klingt, dass alle Welt sich fragt, warum vor Spörk da noch keiner drauf gekommen ist.
Mit virtuos inszeniertem Akkordeon, Gitarre, Posaune, Trompete, Klarinette und der einnehmenden Sängerin Sabine Stieger knöpfen sich Spörks Global Kryner Gassenhauer wie „Eye of the Tiger", „Amadeus" oder Madonnas „Like a Virgin" vor, und erlösen sie im funky Sound alpiner Volksmusik von der Peinlichkeit des Bräsigen, die sich im Laufe der Jahre auf ihnen abgelagert hat.
Und gerade wenn man denkt, den Trick durchschaut zu haben, wechselt Entertainer Spörk das Programm, und zelebriert einen Tempowechsel mit Salsa-Rap. Getreu dem Motto: „Erwarte das Unerwartete".
Vom Geheimtipp zur großen Nummer: Ihre mitreißende musikalische Globetrotterei brachte der Band Sendezeit auf arte, Einladungen von vielen Jazzfestivals, gute CD-Verkäufe und später sogar den Sieg bei der österreichischen Vorauswahl zum Eurovision Song Contest 2005 ein.
Inzwischen haben die Global Kryner ihre vierte CD draußen. Auf der haben sie ihre Klangfarben zwischen Folklore, Funk und hörbarem Jazz weiter perfektioniert. Humorvolle Eigenkompositionen runden das nach wie vor unberechenbare Programm ab. Auch die Instrumentalsoli sind wieder vom Allerfeinsten.
Das sorgt Live erfahrungsgemäß für manchen Gänsehautschauer. Im mitreißenden Groove der Global Kryner können sich am Ende jung und alt, wild und mild miteinander in den Armen liegen und sozusagen aufgeklärt schunkeln. Wenn das keine kulturhistorische Leistung ist.
Global Kryner. Freitag, 17. Juni 2011, 22:00 Uhr, Naspa-Bühne Löherplatz
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| Idstein Jazz Festival |
26.05.2011
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