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Konzert zur Jaeckel-Ausstellung: Vom Tango zur Dreigroschenoper

Bad Homburg: Wer möchte nicht einmal einen Gang durch die Tanzlokale Berlins in den wilden Zwanzigern machen? Tanzte der „Malerfürst" Willy Jaeckel, wenn er nach einem seiner berühmten Atelierfeste noch ausging Tango, Shimmy oder Boston? Was hat der Pianist im Café des Westens gespielt, wenn Jaeckel sich dort mit Künstlerfreunden traf? Jaeckel, seit 1919 Mitglied der Preußischen Akademie der Künstle und seit 1925 Professor an der Staatlichen Kunsthochschule, war Mitte der 20er-Jahre in Berlin überall anzutreffen:

Beim Boxkampf, im Theater, im Konzert, im Ballsaal. Es war „chic" sich von Jaeckel portraitieren zu lassen. Er war Vertrauter vieler Künstler, wie Heinrich George oder Asta Nielsen. Seine Atelierfeste waren Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens Berlins.

Die Musik wie auch die Kunst der 20er Jahre umwehte die Luft der Großstadt. Wie ihre Kollegen in New York oder Paris bemächtigten sich die Komponisten Berlins des Jazz, der Tänze und der modischen Trends der 20er. Hatte die ich-bezogene Weltsicht der Expressionisten zu einer Entfremdung zwischen Kunst und Leben geführt, so besann man sich Mitte der 20er Jahre auf die Kunst, die im Leben stand und vom breiteren Publikum geschätzt wurde: Willy Jaeckel wandte sich nach seiner Rückkehr nach Berlin 1924 - er hatte fünf Jahre im Allgäu verbracht und diese Zeit mit einer Reise nach Ragusa abgeschlossen - vorwiegend der Portrait-Kunst zu und damit ab von den philosophisch-religiösen Themen, die er zuvor bearbeitet hatte.

In dieser Zeit stand er der „Neuen Sachlichkeit" nahe, ein neuer Realismus wurde dem subjektiven Ausdruck vorgezogen. Dementsprechend wandte Jaeckel sich nun dem zu, was er vorfand: Die neue selbstbewusste, emanzipierte Frau mit Pagenkopf und Zigarette beispielsweise.

Die Komponisten wiederum besannen sich auf Zeiten, da die Musik noch Gesellschaftskunst war - die Zeit des Barock und der Klassik. Wie Johann Sebastian Bach die Tänze seiner Zeit in seine Werke integrierte, so versuchten Komponisten, die in Berlin lebten wie Weill, Krenek oder Schulhoff die Tänze der eigenen Zeit in ihre Kompositionen aufzunehmen. Sowohl die Musik als auch die Kunst versuchte aus dem „L'art pour l'art"-Zustand herauszukommen. Kurt Weill ging 1929 dann soweit zu behaupten, „die Musik ist nicht mehr eine Sache von wenigen". Der Erfolg seiner Dreigroschenoper gab ihm Recht. Das Lied von „Mackie Messer" wurde zum berühmtesten Schlager der 20-er Jahre.

Das Duo Sherri Jones (Klavier) und Peter Agoston (Geige) wird im Konzert im Gotischen Haus eine selten zu hörende Bearbeitung von sieben Stücken aus der Dreigroschenoper für Geige und Klavier spielen. Aus einer barock betitelten „Partita" von Erwin Schulhoff hat die Pianistin unter anderem einen „Foxtrott à la Hawai" ausgesucht. Man hat den Eindruck, mit Willy Jaeckel in einem Tanzlokal Tango zu tanzen, wenn Sherri Jones Tangos von Stefan Wolpe, Alois Hàba und Erwin Schulhoff spielt. Zu ihren CDs gehört die Maßstäbe setzende Einspielung von Erwin Schulhoffs Kunstjazz (Hot Music, wergo). In Bad Homburg trat sie zuletzt 2010 im Kurtheater auf, um bei der Verleihung des Hölderlin-Preises an Georg Kreisler Klavierstücke von ihm uraufzuführen.

Peter Agoston war zehn Jahre lang Primarius des Streichquartetts Euphonia, das 1983 den 1. Preis beim Streichquartett-Wettbewerb in Bukarest gewann. Peter Agoston und Sherri Jones waren ein Duo, als die Pianistin vor 20 Jahren in Frankfurt wohnte. Das aktuelle Konzert führt ihre Wege wieder zusammen.

Vom Tango zur Dreigroschenoper - Willy Jaeckels Berlin der 20er-Jahre, Konzert mit Sherri Jones (Klavier) und Peter Agoston (Geige)

Freitag, 18. November, 20 Uhr
Eintritt: 10 Euro. Kartenreservierung unter Telefon 06172/37618, oder E-Mail an museum@bad-homburg.de

17.10.2011

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