Bad Vilbel: Die Bedeutung des Radverkehrs für die alltägliche Mobilität nimmt beständig zu. Der Wunsch nach einer stressfreien und kostengünstigen Fortbewegung, die obendrein die Gesundheit fördert und Spaß macht, bringt immer mehr Menschen aufs Rad. Auch technische Neuerungen wie derzeit das Pedelec oder E-Bike tragen dazu bei, dass Radfahren zunehmend im Trend liegt. Gemessen daran liegt die Entwicklung der Infrastruktur in vielen deutschen Städten im Argen. Bei der Straßenplanung sind die Radfahrer oft noch weit davon entfernt, als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer anerkannt und gefördert zu werden.
Die Ortsgruppe Bad Vilbel des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) setzt sich seit ihrer Formierung im Jahr 1991 für eine fahrradfreundliche Stadtentwicklung in Bad Vilbel ein. Angesichts des zwanzigjährigen Jubiläums haben sich die Mitglieder des Verkehrsausschuss zusammengesetzt um die Verkehrssituation für Radfahrer in Bad Vilbel ausführlich unter die Lupe genommen.
Das Bad Vilbeler Radverkehrsnetz ist in erster Linie auf Schönwetter-Freizeitradler ausgerichtet, die bei gutem Wetter auch unbefestigte Wege und Umwege in Kauf nehmen. Aus der Sicht von Radlern jedoch, die das Fahrrad als wesentlichen Teil ihrer Nahverkehrsmobilität sehen und schnell auf möglichst kurzem Weg zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen fahren möchten, ist das Wegenetz wenig attraktiv und lückenhaft.
Ein durchgängiges Radverkehrskonzept entlang der vorhandenen Straßen existiert nicht. Anstelle eines solchen Konzepts wurden in Bad Vilbel bisher unterschiedliche Einzellösungen realisiert, die keine übergeordnete Logik erkennen lassen. Symptomatisch hierfür ist der Rückbau der früheren B3, die die Kernstadt mit den Ortsteilen Heilsberg und Dortelweil verbindet. Die dort überwiegend erfolgte Einrichtung von Kreisverkehren ist grundsätzlich positiv zu bewerten.
Wer jedoch als Radfahrer näher hinschaut, der stellt fest, dass er durch die Art der Radverkehrsführung im Bereich der Kreisel ohne Not benachteiligt wird. Am „Lidl-Kreisel" auf dem Heilsberg beispielsweise müssen die Radler in Richtung Südbahnhof den Kreisverkehr mit mehreren engen Radien in Gegenrichtung umfahren und im Zuge dessen zwei Zebrastreifen queren. Konflikte mit Autofahrern, die nicht mit Radfahrern in Gegenrichtung rechnen, sind vorprogrammiert.
Auch der „Südbahnhof-Kreisel" muss auf einem Bordstein-Radweg umfahren werden, wobei es zu Konflikten mit Fußgängern oder an der Bushaltestelle wartenden Verkehrsteilnehmern kommen kann. Eine Führung, die auch dem Ortsunkundigen intuitiv zu verstehen gibt, welche Wege für ihn vorgesehen sind, gibt es in Bad Vilbel an keiner Stelle. So endet beispielsweise am Ortsausgang von Dortelweil ein Radweg ohne einen Hinweis oder gar eine Überführung auf den vorgesehenen Zweirichtungsradweg, der 50 Meter weiter auf der gegenüberliegenden Seite beginnt.
Charakteristisch für Bad Vilbel ist auch die Bevorzugung des Baus von geteilten oder gemeinsamen Fuß-/Radwegen auf dem Bordstein. Diese sind aufgrund des Konfliktpotenzials mit Fußgängern sowie der nachgewiesenen größeren Gefahren durch abbiegende und einmündende Autos problematisch. Auch der höhere Rollwiderstand durch das meistenteils verwendete Verbundpflaster reduziert die Attraktivität dieser Wege. Eine der wenigen positiven Ausnahmen bildet der auf der Fahrbahn markierte Radfahrstreifen auf der Frankfurter Straße stadtauswärts ab dem Südbahnhof.
Bei vielen Radwegen sollte im Einklang mit einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Benutzungspflicht von Radwegen vom November 2010 gehandelt werden. Die Benutzungspflicht sollte auf den sachlich gebotenen Ausnahmefall begrenzt und im Übrigen durch ein Benutzungsrecht ersetzt werden. Viele der derzeit noch benutzungspflichtigen Radwege in Bad Vilbel lassen sich nicht durch eine andernfalls erhöhte Gefährdung der Verkehrsteilnehmer rechtfertigen, die das Gericht zur Bedingung erhoben hat. Immerhin wurde inzwischen bereits in einigen Fällen - so im Fall des Radwegs an der Homburger Straße - die Benutzungspflicht wieder aufgehoben.
Ein weiteres Problem sind die vielen Lücken im Bad Vilbeler Radwegenetz. Der Nutzen der Lösungen im Bereich Frankfurter, Kasseler und Friedberger Straße wird dadurch, dass sie nicht nahtlos aneinander anschließen, erheblich geschmälert. Deutliche Verbesserungen ließen sich hier schon durch einfache Maßnahmen wie das Aufstellen von Hinweisschildern, die Markierung von Furten oder die Kennzeichnung separater Aufstellflächen im Bereich der Kreuzungen erreichen.
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| ADFC Bad Vilbel e. V. |
24.10.2011
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