Bad Homburg: Wenn am Wochenende des 11. und 12. August ein altmodisch gekleideter Herr namens Louis Jacobi über die Brunnenallee des Kurparks flaniert und aus vergangenen Zeiten plaudert, als er das Kaiser-Wilhelms-Bad und den Umbau der Orangerie plante, dann dürfen die Besucher ruhig ihren Augen und Ohren trauen.
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Kaiser-Wilhelms-Bad im Kurpark Bad Homburg |
Bad Homburgs großer Baumeister ist eine jener historischen Persönlichkeiten, die die außergewöhnlichen Parkführungen am Jubiläumswochenende bereichern. Sie berichten aus der Geschichte des einstmals kleinen Kurbades Homburg vor der Höhe, das sich dank tatkräftiger Menschen, glücklicher Fügungen und kaiserlicher Fürsprache nach 1834 zu einem Weltbad ersten Ranges emporschwang.
Und das seit 1912 auch offiziell den Titel „Bad" vor seinem Namen tragen durfte. Dieses 100. Jubiläum wird an beiden Tagen von 11 bis 18 Uhr auf der Brunnenallee mit einer Vielzahl an Aktionen gefeiert. Sie laden zu einer Zeitreise vom 19. bis ins 21. Jahrhundert ein.
Im 44 Hektar großen, denkmalgeschützten Kurpark befinden sich die Heilquellen mit ihren Brunnenbauten sowie eine ganze Reihe von Gebäuden und Denkmälern aus dem 19. Jahrhundert. So bedeuten die Führungen neben einem wunderschönen Spaziergang durch ein noch in seiner ursprünglichen Form erhalten gebliebenes Gartenkunstwerk auch ein Eintauchen in die Geschichte Bad Homburgs. Durch die Erzählungen der historischen Persönlichkeiten - dargestellt von Schauspielern der Volksbühne Bad Homburg - erhalten sie einen besonderen Reiz.
Neben Louis Jacobi, der rund 50 Jahre lang bis 1910 als Baumeister in der Kurstadt wirkte, werden zwei Männer dabei sein, die die Grundlagen für den Aufstieg Homburgs zum Fürstenbad schufen: Der Arzt Dr. Eduard Christian Trapp, der ab 1834 den Elisabethenbrunnen als noch heute wichtigste Heilquelle wieder nutzbar machte, und François Blanc, der 1841 die Spielbank gründete. Er wird begleitet von Marie Blanc, seiner Gattin und guten Geschäftspartnerin.
Mit den Einnahmen aus dem Glücksspiel baute Blanc das Kurwesen aus und dazu gehörte auch die Anlage des Kurparks. So wird der geniale preußische Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné bei den Führungen an seine Wirkungsstätte zurückkehren und von seinem Konzept des englischen Landschaftsparks berichten.
Was des einen Freud war des anderen Leid: Fjodor Dostojewski, der große russische Dichter, klagt über seine Spielsucht, die ihm (nicht nur) in der Homburger Spielbank einen Batzen Geld kostete, ihn aber auch zu seinem berühmten Roman „Der Spieler" animierte. Ebenfalls aus Russland stammt der Geheime Rat Alexander Proworoff, bekannt als Initiator der im Kurpark stehenden Russischen Kirche und bei den Damen äußerst beliebt als „Rosenkavalier".
Aus Siam kehrt König Chulalongkorn zurück und erzählt, warum er der Stadt die Sala Thai schenkte. Und auch Deutschlands Meisterdichter Hölderlin, der mehrere Jahre in Homburg weilte, tritt auf - gezeichnet von seiner unglücklichen Liebe zu der im nahen Frankfurt weilenden Bankiersgattin Susette Gontard, seiner Diotima.
Die „belebten Kurparkführungen" finden zu folgenden Zeiten statt: Am Samstag, 11. August, um 11:30, 15:00, 15:30, 16:00 und 16:30 Uhr, am Sonntag, 12. August um 11:00, 11:45, 15:00, 15:30, 16:00 und 16:30 Uhr. Sie beginnen am Kaiser-Wilhelms-Bad, dauern etwa eineinhalb Stunden und sind kostenfrei. Da die Teilnehmerzahl pro Gruppe beschränkt ist, bittet die Kur- und Kongreß-GmbH um Voranmeldung unter der Rufnummer 06172/178-3731.
06.08.2012
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