Bürgermeister Rahn sucht Dialog mit Kassenärztlicher Vereinigung und Ärzteschaft, um Lösungen zu finden / Lösung für Hausarztproblem des Johanniterstifts in Karben in Sicht
Karben: „Wir stehen im Dialog mit der Kassenärztlichen Vereinigung und Vertretern der Karbener Ärzteschaft, um das Problem der knappen Versorgung der Karbener Bevölkerung mit Hausärzten in unserer Stadt zu lösen", sagt Bürgermeister Guido Rahn. Er verweist auf die Unterversorgung mit Arztpraxen.
Während im Land Hessen im Schnitt jeder Hausarzt 876 Patienten versorgen muss, sind dies in Karben rund 1.300 Patienten je Hausarzt. „Somit besteht bei uns eine absolute Unterversorgung und anstatt sieben Hausärzten brauchen wir eigentlich elf", rechnet der Rathauschef vor und stellt fest: „So kann das nicht bleiben, wir müssen die Ansiedlung von weiteren Hausärzten in Karben unterstützten". Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die beiden in Karben befindlichen Seniorenheime.
Hintergrund ist die vom Johanniter-Stift angestoßene Diskussion zur hausärztlichen Betreuung der Bewohner des neuen Altenpflegeheims. Hier wurde beklagt, dass die umliegenden Ärzte sich weigern würden, die Heimbewohner als neue Patienten aufzunehmen. „Das ist leider verständlich, auch wenn das für den Johanniter-Stift sehr unbefriedigend ist", stellt Rahn sich an die Seite der Ärzte. „Die Hausärzte haben aufgrund der Unterversorgung keine Kapazitäten mehr". Aber Rahn hat auch hierüber mit der Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärzteschaft gesprochen. „Hierfür gäbe es ebenfalls Lösungen, die jedoch erst noch unter den Ärzten und mit dem Johanniter-Stift abgestimmt werden müssen".
Das Problem bei der Ansiedlung von neuen Arztpraxen ist, dass die Anzahl von der Kassenärztlichen Vereinigung festgelegt wird. Dabei legt sie den Bedarf für den gesamten Wetteraukreis, der einen Versorgungsgrad von 104 Prozent hat, fest. Wie das sich auf die einzelnen Kommunen verteilt, darauf hat weder die KV noch der Kreis einen Einfluss. Innerhalb des Wetteraukreises können somit die Ärzte ihre Praxen frei verlegen und von einer Stadt in die andere umsiedeln.
Würden jedoch Ärzte aus z. B. Frankfurt, Bad Homburg oder einem anderen Landkreis nach Karben ziehen wollen, müsste erst eine Praxis im Wetteraukreis aufgegeben werden oder die Kassenärztlichen Vereinigung müsste weitere Praxen zulassen, sofern es ein zu geringerer Versorgungsgrad zulässt. „Wir hoffen nun, dass Ärzte aus den besser versorgten Gemeinden des Wetteraukreises sich für einen Sitz in Karben interessieren. Dieser Umzug ist möglich". Rahn zeigt hierbei auf Kommunen im Wetteraukreis mit einer Überversorgung an Ärzten.
„Karben ist für Ärzte ein attraktiver Standort, da aufgrund des Versorgungsengpasses wirtschaftliche Anreize für die Niederlassung neuer und weiterer Praxen bestehen". Und Rahn versichert: „Ärzte, die nach Karben kommen wollen, erhalten von uns die volle Unterstützung, zum Beispiel bei der Suche oder gar Bereitstellung von Räumen. Auch im neuen Stadtzentrum könnte man entsprechende Möglichkeiten berücksichtigen", wirbt Rahn bei der Wetterauer Ärzteschaft für den Standort Karben.
Das Johanniterstift hat aufgrund der Presseberichterstattung über das Versorgungsproblem mit Hausärzten zwischenzeitlich Unterstützung einer Hausärztin aus Bad Vilbel zugesichert bekommen, so dass dort das akute Versorgungsproblem voraussichtlich erst einmal gelöst sein dürfte. Allerdings verbleibe weiterhin das Problem der zu geringen Versorgung der Karbener mit Hausärzten vor Ort.
08.08.2012
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