Er malte die Sterne der Milchstraße
Der Maler Adam Elsheimer aus Frankfurt und sein Werk im Städel
Frankfurt: Vierzig Jahre nach ihrer ersten großen Elsheimer-Ausstellung
präsentiert die Städtische Galerie nun den Maler in einer umfassenden,
wissenschaftlich neu erarbeiteten Werkschau. "Im Detail die Welt entdecken"
bringt die Begegnung mit einem großen Meister und "Erzähler"
aus Frankfurt, der in seiner Wahlheimat Rom zu den bewunderten Künstlern
seiner Zeit zählte.
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| © Städelmuseum |
Als Adam Elsheimer 1578 in Frankfurt zur Welt kam, bot die alte Reichsstadt mit
ihren vielen Türmen und engen Gassen noch ein ganz mittelalterliches Bild.
Reiche Bürgerhäuser, festliche Aufzüge bei Kaiser- und Königskrönungen
und der blühende Handel am Messeplatz prägten die Mainstadt. Vermutlich
lebte der junge Adam, das älteste von zehn Kindern eines Schneidermeisters,
in eher bescheidenen Verhältnissen. Allerdings lässt sich aus der Liebe
des später berühmten Malers für prächtige Gewänder der
Menschen auf seinen Bildern vielleicht schließen, dass sein Vater durchaus
zahlungskräftige Kunden bediente. Elsheimers Elternhaus, ein schmaler Bau
in der Fahrgasse nahe dem Dom, fiel erst 1944 Kriegsbomben zum Opfer.
Nahezu ein halbes Jahrtausend nach seiner Geburt und vierzig Jahre nach der letzten
großen Elsheimer-Ausstellung im Städel richtet ihm das Haus nun ab
17. März unter dem Titel "Im Detail die Welt entdecken. Adam Elsheimer
1578-1610" eine umfassende und wissenschaftlich neu erarbeitete Werkschau
aus. Das Städel besitzt die weltweit größte Sammlung von Werken
des jung gestorbenen Künstlers, auf den Museum und Stadt mit Recht stolz
sein dürfen, zählt er doch zu den berühmtesten Barockmalern Deutschlands.
Besonders viel weiß man nicht von seiner Jugend. Wahrscheinlich war er ein
Schüler des damals angesehenen Malers Philipp Uffenbach. Vor allem Joachim
von Sandrart sind einige Informationen zu verdanken, da er Elsheimer in seiner
1675 veröffentlichten "Teutschen Academie der Edlen Bau-, Bild- und
Mahlerey-Künste" einen ausführlichen Bericht widmete. Persönlich
kennen gelernt hat Sandrart Elsheimer aber nicht mehr, denn als er 1629 nach Rom
kam, lebte der vermutlich im "Heiligen Jahr" 1600 dort angekommene junge
Landsmann schon seit neunzehn Jahren nicht mehr. Rom war Elsheimers Wahlheimat.
Hier schloss er Freundschaft mit Peter Paul Rubens und pflegte Kontakte mit deutschen
Gelehrten der Literatur, Theologie und Naturwissenschaften. Seine Zeitgenossen
brachten "Adamo Tedesco" große Bewunderung entgegen, und im Jahr
1607 wurde er als einer von wenigen Deutschen Mitglied der angesehenen "Accademia
di S.Luca".
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Adam Elsheimers Werke faszinieren nicht allein durch stimmungsvolles Spiel mit
dem Licht über mondbeschienenen Landschaften und in geheimnisvollen dunklen
Räumen, er erweist sich ebenso als ein außerordentlich spannender Erzähler
dramatischer Geschehnisse wie der Sintflut, dem Brand von Troja, von Mord und
Darstellungen gemarterter Heiliger. Erstaunlich vor allem ist seine genaue Beobachtung
der Natur. Erst in jüngster Zeit haben sich Astronomen mit seinem berühmten
Gemälde "Flucht nach Ägypten" auseinandergesetzt. Denn er
gestaltete die nächtliche Szenerie der fliehenden heiligen Familie überwölbt
von einem klaren Sternenhimmel. Und als erster malte er die Milchstraße
als eine dichte Ansammlung von Sternen und gab auch die Oberfläche des Mondes
genau wieder. Da erst ein Jahr später, 1610, Galileo Galilei seine entsprechenden
astronomischen Entdeckungen bekannt machte, stellt sich die Frage, wie Elsheimer
zu einer solch korrekten Beobachtung gelangen konnte. Wie es heißt, soll er durch
ein Fernrohr an einem bestimmten Tag des Jahres 1609 den Nachthimmel über
Rom angeschaut und sich präzise die Position der Sterne gemerkt haben.
Zur Fülle des in der Ausstellung Gezeigten zählen "Der Traum Jakobs"
aus Städelbesitz und weitere biblische und mythologische Darstellungen. Vor
allem auch der berühmte "Kreuzaltar", der in sieben kleinen Szenen
die Legende von der Auffindung des Kreuzes erzählt, an dem Jesus starb. Es
gibt auch ein Selbstporträt Elsheimers. Zumindest soll es sich mit einiger
Wahrscheinlichkeit um ein solches handeln. Denn der mit Pinsel und Palette in
der Hand dargestellte Mann entspricht Beschreibungen von Zeitgenossen, die von
einer Neigung zur Melancholie sprechen, allerdings ebenso sein liebenswürdiges
Wesen rühmen. Krankheit und wirtschaftliche Not scheinen Elsheimer geplagt
zu haben. Als er am 11. Dezember 1610 starb, hinterließ er seine Familie
in bitterer Armut und wurde tief betrauert von seinen Freunden. "Was mich
anbelangt, so war mir das Herz nie so von Schmerz zerrissen als beim Empfang dieser
Nachricht", schrieb Peter Paul Rubens.
Die Städel-Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der National Gallery of
Scotland in Edinburgh und der Dulwich Picture Gallery in London entstanden und
wird später in beiden Städten gezeigt.
Lore Kämper
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